Der Jäger

Martin Neukirchen ist Facharzt für Anästhesiologie und leitet das Interdisziplinäre Zentrum für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf. Dort kümmert er sich gemeinsam mit seinem Team um die Menschen, die seine Hilfe brauchen. Wenn er die Klinik verlässt, und auf den Hochsitz in der Eifel steigt, ist der 40jährige aber lieber allein Vor allem weil er dort das Erlebte aus seinem Arbeitsalltag hinter sich lassen will. Der Wald, der Hochsitz, die Jagdhütte, die er sich mit anderen teilt: Aufladestationen für seine Fröhlichkeit. Auf seinen Teller kommt nur das, was er selbst geschossen hat. Was bedeutet, das es manchmal dauert bis ein Stück Fleisch dort liegt. Denn eines braucht ein Jäger auch: ganz viel Geduld!

Langsam, ganz langsam wird sie wach: die Eifel. Erste Vögel versuchen sich an den frühen Tönen des Tages – der Nebel liegt schwer über den Feldern und er macht nicht den Anschein jemals aus den Baumwipfeln verschwinden zu wollen.

Genau das sind die Momente, die Martin Neukirchen liebt. Die er als Ausgleich zu seinem stressigen Klinikalltag braucht. „Mir geht’s nicht darum Tiere zu töten, auf der Jagd zu sein – ich liebe die Ruhe der Natur!“ Vor allem rund um Effelsberg. Dort ist er seit er zwölf ist, mit 16 hat er dort seinen Jagdschein gemacht.

Über zwei Jahrzehnte später sitzt er nun allein auf dem Hochsitz, ist rundum glücklich und erinnert sich an Wolfgang, einen langjährigen Freund der Familie. Er war es, der in Martin den Arzt- als auch den Jagdfunken gesetzt hat. Er war es, der ihm beigebracht hat, dass Jagen viel mehr ist, als man so meint. Jagd ist Hege und Pflege von Wild und Wald.

Der Mann, der sonst mit weißem Kittel und Stethoskop im Uniklinikum Düsseldorf über die Gänge huscht, trägt in der Eifel einen grünen Lodenmantel. 40 Jahre hat der auf dem Buckel – ein Familienerbstück. Sein Opa hat ihn getragen – dann hat Martin ihn bekommen.

Er trägt ihn schon, als ihn einer seiner Jägerkollegen – die sich das Revier mit ihm teilen – fragt: „Wo gehst Du hin?“ „Zum Kamener Kreuz“ antwortet Martin und fügt schmunzelnd hinzu: „da ist ja oft besonders viel los!“ Er hofft auf eine Hirschkuh oder ein Reh. Am Ende wird es ein Wildschwein.

Drei Tage hängt es in der Kühlung der Jagdhütte – dann setzt Martin die Messer an und nimmt das Tier auseinander. Meistens steht dann schon lange fest, wer welches Stück Fleisch bekommt. Denn die Liste der Wildfans in seiner Familie und unter seinen Freunden ist groß.

Kein Wunder, wenn man weiß, mit wieviel Besonnenheit und Liebe Martin Neukirchen in der Eifel jagt.

Autor // Jascha Habeck

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